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Wir kennen Privatdetektive aus Film und Fernsehen. Mal hartgesotten wie Matula, mal lässig wie Philip Marlowe, mal analytisch wie Sherlock Holmes.
Sie haben maßgeblich unser Bild von einem Privatdetektiv geprägt, das mit der Wirklichkeit allerdings NUR WENIG zu tun hat.
 Der auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko arbeitende Privatermittler unserer Tage gleicht eher einem peniblen Buchhalter und abgeklärten Problemlöser im Dienste seiner verschiedenen Auftraggeber.
Bei der SAO werden Interessenten in einer 6 - monatigen Schulung zu solchen Privatdetektiven ausgebildet. Diese Privatdetektivausbildungen mit Praktikum und den lukrativen Anstellungsbedingungen ist in der Schweiz einmalig,
Vom pensionierten Polizeibeamten zum modernen Ermittler
Die ersten Detektive waren pensionierte Polizeibeamte, die sich in den Dienst angesehener Persönlichkeiten aus dem Adel stellten und vor allem um die Regelung von Familienangelegenheiten und um säumige Schuldner kümmerten.
 Privatdetektive und Detektivbüros gibt es in der Schweiz und Deutschland erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Doch erst während des Zweiten Weltkrieges boomte die Branche, als viele Soldaten Detektive beauftragten, die Treue ihrer daheim gebliebenen Ehefrauen zu überwachen.
Tatsächlich waren bis in die 1970er Jahre hinein Eheangelegenheiten das Hauptarbeitsfeld der Privatdetektive.
Doch seit die Schuldfrage bei Ehescheidungen keine Rolle mehr spielt, hat sich deren Arbeitsgebiet vollkommen gewandelt. Heute, im Zeitalter der Industrialisierung, der ansteigenden Kriminalität und der Entwicklung zur Informationsgesellschaft, agieren die meisten Ermittler im Wirtschaftssektor. So wie auch Erich W. (46), der im Kanton Zürich seit nunmehr 20 Jahren eine Privatdetektei führt – für "Ermittlungen aller Art".
Seine Aufträge kommen überwiegend von Unternehmen, aber auch von Privatpersonen. Versicherungen, Banken, Industriefirmen, Anwaltskanzleien – "vor allem wenn Polizei und Behörden zu lasch und nicht effizient genug arbeiten". So ermittelt er beispielsweise bei Verdacht auf Werk- und Betriebsspionage, beschafft Beweismittel bei Wirtschafts- und Computerkriminalität und stellt Nachforschungen über Objekte oder Personen an.
Erich W. hat gelernt, sein Betätigungsfeld auf eine breite Basis zu stellen. "Früher habe ich oft untreue Ehepartner überwachen müssen, was zwar noch immer der Fall ist. Aber heute holt man mich auch, wenn Angestellte Firmengelder unterschlagen und sich abgesetzt haben oder wenn der Verdacht auf Schwarzarbeit besteht, wenn jemand seine Schulden nicht begleichen kann oder seinen Unterhaltszahlungen nicht nachkommt".
Zuweilen ermittelt er auch bei Versicherungs- und Patentangelegenheiten, überprüft Sicherheitskonzepte oder arbeitet mit Personenschutz zusammen.
Auf den Spuren der Sünder
Rabiate Action à la Magnum und Co. sind bei den Ermittlungen von Erich W. nicht gefragt. "Sicher, ich muss auch oft täuschen, tricksen und mich tarnen – doch dies alles nur im Rahmen der Gesetze." Und die muss er freilich kennen. Denn: Im Gegensatz etwa zu einem Polizeibeamten hat der Privatdetektiv keinerlei besondere Rechte und hoheitlichen Befugnisse in seinem Aufgabenbereich. Wie jeder Privatmann auch, darf er eine tatverdächtige Person lediglich festhalten, bis die Polizei eintrifft. Und nur bei speziellen Aufträgen wird ihm die Erlaubnis erteilt, auch eine Schusswaffe zu tragen. “Meist sind unsere Waffen aber lediglich unsere Augen, Ohren und die trainierte Spürnase.”
Mit Foto- und Videokamera, Nachtsichtgeräte, Peilsender, Diktiergerät und Notizheft und jeder Menge Geduld geht Erich W. dann mit seinen Leuten auf Observierungsjagd. Zudem nutzt er Funkgerät und Handy sowie das Internet, recherchiert international mit Hilfe großer Datenbanken.
In seinem letzten Fall ging es um illegal beschäftigte Arbeitskräfte bei einem Bauunternehmen. Angeblich setzte der Unternehmer mehrere Bulgaren ohne Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung als billige Arbeitskräfte auf diversen Baustellen ein. Ein Konkurrenzunternehmer erteilte Erich W. den Auftrag, dieser Sache nachzugehen, da die Aufsichtsbehörde trotz mehrerer Anfragen nicht reagierte.
Die Ermittlungen nahmen über einen Monat in Anspruch. Es galt, hieb- und stichfeste Beweise zu sammeln, die vor Gericht Bestand haben würden. Und seine gewonnenen Erkenntnisse reichten aus, der Auftraggeber konnte Strafanzeige stellen. "Oftmals behalten die Klienten das Ermittlungsergebnis aber auch für sich und suchen mit dem Betroffenen eine individuelle Regelung oder eine betriebsinterne Lösung." Der Vorteil ist klar: ungewollte negative Schlagzeilen in der Öffentlichkeit können so vermieden werden.
Der Weg zum Privatdetektiv
Für den Beruf des Privatdetektivs gibt es in der Schweiz keine gesetzlich reglementierte Ausbildung und damit auch keine staatliche Prüfung, zum Beispiel vor der Industrie- und Handelskammer. Lediglich bei der Schweizerischen Agenten Organisation für die Ausbildung im Detektivgewerbe (SAO) in Effretikon, die Ausbildungsgänge für Privatdetektive anbietet, kann man ein Zertifikat erwerben. Und wer freiwillig eine staatliche Prüfung ablegt, darf sich "Berufsdetektiv, mit Polizeibewilligung” nennen.
Da gesetzliche Befähigungsnachweise nicht in jedem Kanton erforderlich sind, kann prinzipiell jedermann ein Detektivbüro oder ein Detektiv - Verband aufmachen. "Doch wer glaubt, aufgrund des leichten Zugangs zu dem Beruf als ‚Feierabend-Detektiv' durch dilettantisches Vorgehen seine Auftraggeber und seine Mitmenschen verärgern zu müssen, sollte sich immer vor Augen halten, dass er damit unseren ganzen Berufsstand in Verruf bringen kann. Abenteurer und Draufgänger sind hier fehl am Platze", gibt Erich W. nachdrücklich zu verstehen.
Ausschließlich ist ein Ermittler an den Ehrenkodex der Schweizerischen Agenten Organisation gebunden; er unterliegt der Schweigepflicht und hat gegenüber den Behörden eine Legitimationspflicht. Es hat sich bewährt, eine Detektivtätigkeit als Zweitberuf anzufangen und über Praktika in Detekteien von erfahrenen Kollegen oder über eine fundierte PD-Ausbildung bei der SAO das Handwerkszeug zu lernen.
Das ist sinnvoller, als gleich eine eigene Detektei zu gründen, die ein erhebliches Startkapital (Büromiete, technische Ausstattung) erfordert.
Detektive von heute – gründlich und loyal
An formalen Voraussetzungen sollte man mindestens einen Realschulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können, insbesondere im kaufmännischen Bereich. Gut machen sich auch vorherige Tätigkeiten bei Notaren oder Rechtsanwälten, im Polizeidienst, beim Militär als Feldjäger oder beim Militärischen Abschirmdienst.
Erich W. ging einen etwas anderen Weg. "Ich war zuvor als Funker bei der Übermittlungstruppe beschäftigt. In Feierabendkursen habe ich dann bei der IPDA mein Zertifikat 'Geprüfter Detektiv' erworben und einige Jahre für die IPDA gearbeitet. Zuerst betrieb ich für die IPDA die Zweigstelle 45-1 und habe als Instruktor zukünftige Detektive ausgebildet. Ende 2004 wurde meine Zweigstelle von der IPDA entkoppelt, da die IPDA nach Tschechien umsiedelte. Das Jahr 2005 wird für mich und meine Mitarbeiter ein besonderer Meilenstein sein, da die SAO eine eigenständige Privatdetektei wird.”
Neben der fachlichen Qualifikation sollte ein Detektiv eine ausgezeichnete körperliche Verfassung, Pflichtgefühl, Ausdauer, Disziplin, Freude am Recherchieren, Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit, gesunde Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen, eine scharfe Beobachtungs- und Kombinationsgabe, Rechts- und Wirtschaftskenntnisse, Vertrauenswürdigkeit, Selbständigkeit und Flexibilität mitbringen.
Erich W. besitzt all diese Eigenschaften und möchte seinen Beruf nicht missen, der "spannend und abwechslungsreich" ist. Und das kann in diesen Zeiten wahrlich nicht jeder behaupten.
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